Rege Beteiligung herrschte am Dienstag, dem 29. Juni bei einer
gemeinsamen Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der Frauen in der SPD
(AsF) und der Jusos über das Frauenhaus in Pirmasens. Besonders
bemerkenswert erschien hierbei der Wandel des Frauenbildes, der auch
starke Auswirkungen auf die Arbeit im Frauenhaus hat.
Geschlechtergerechtigkeit
"Früher hatten wir vermehrt Aufnahmen nachts und über die Polizei --
Frauen mit teils schweren Verletzungen. Heute planen die Frauen ihre
Flucht, sind selbstbewusst und entschlossen ein eigenständiges Leben zu
führen. Dies ist verstärkt der Medienarbeit und der damit verbundenen
Enttabuisierung des Themas zu verdanken.", führte Edeltraud
Buser-Hussong, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Frauenhaus an. Dennoch sei
es für die Frauen ein schwerer Entschluss und oftmals der letzte Ausweg.
Besonders schwierig sei es hier für die Kinder, die aus ihrem gewohnten
Umfeld gerissen werden und Freunde, Haustiere, Spielsachen und vieles
mehr zurücklassen müssen.
Jedoch wurde auch kritisch mit dem Thema Frauenhäuser umgegangen:
"Frauenhäusern wird oft vorgeworfen, sie blenden die von Frauen
ausgehende Gewalt aus, dabei sind diese doch häufig auch an häuslicher
Gewalt beteiligt", so ein Einwand der Juso-Vorsitzenden Nina Gunkelmann.
Allerdings seien Frauen meist körperlich unterlegen und müssen so
stärker geschützt werden.
"Es geht hier aber ausdrücklich nicht nur um den Schutz vor körperlicher
Gewalt. Unsere Bewohnerinnen erleben vermehrt psychische und
sexualisierte Gewalt, die nach Schilderungen der Frauen viel schwerer zu
ertragen ist. Sätze wie "ach, hätte er mich doch nur geschlagen" hören
wir oft. Dies ist ein Zeichen dafür, dass psychische Gewalt wesentlich
nachhaltigere Folgen hat und schwerer zu verarbeiten ist. Hier greift
die gute Vernetzung zu Ärzten und Psychologen", so Buser-Hussong . Diese
Vernetzung wird heute auch durch das Internet erleichtert, moderne
Kommunikation stellt andererseits aber auch eine Gefahr dar. So habe ein
Mann seine Frau per Internet und Handy-Ortung ausfindig machen können
und sie dann vor Ort attackiert.
Die Frage, ob mit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes 2002,
Frauenhäuser nicht mehr notwendig seien, wurde mit einem klaren "Nein"
beantwortet. Denn es sei sehr wichtig für die betroffenen Frauen aus der
traumatisierenden Umgebung auszubrechen. Frauenhäuser sind so von
immenser Bedeutung -- für Frauen jeder Herkunft.